Von Gefühlen und Worten

Ich, ich bin irgendwie nicht ich sondern nur
eine Sammlung an
Gefühlen und Worten und
der Summe aus Erinnerungen und
den Menschen die ich kenne und
die Entscheidungen die ich getroffen habe und
noch viel wichtiger, die, die ich nicht getroffen habe aber
wer
bin ich denn dann überhaupt, bin ich
ein Mensch
oder ein Gefäß
angefüllt mit
Gefühlen und Worten und
was unterscheidet mich denn dann
von dir?

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Es ist genug, man selbst zu sein

Wenn man Social Media, vor allem Instagram, öffnet verblasst das eigene Leben und an dessen Stelle tritt scheinbare Perfektion. Durchtrainierte Frauen und Männer, perfekte Haare und wunderschönes Makeup, traumhafte Locations in der Karibik, gesunde oder zumindest perfekt angerichtete Mahlzeiten. Alles muss perfekt sein, das Licht, das Outfit, das Essen, das Gesamtbild deines Feeds.

Für eine lange Zeit habe ich keine Bilder von mir selbst auf Instagram gepostet, einfach weil ich keine Fotos hatte, die mit dieser scheinbaren Perfektion Schritt halten konnten. Auch meine Freundinnen und Bekannte hatten ihr perfekt wirkendes Leben auf Instagram dokumentiert, die gefühlt einzige Ausnahme war ich selbst.

Gestern war ein anstrengender, aber wahnsinnig wichtiger Tag für mich. Meine beste Freundin und ich sind mit meiner Kamera losgezogen, mit dem Ziel, Fotos zu machen. Es ist nicht einmal so, als würde ich mich vor einer Kamera unwohl fühlen, auch wenn ich das immer gerne behaupte. Der Punkt war eigentlich immer, dass ich dachte, man könne von mir keine schönen Fotos machen. Weil ich nicht diese langen Haare habe, die im Licht so schön aussehen, weil mein Gesicht nicht so symmetrisch ist, wie das von allen anderen ach so perfekten Menschen in meiner Umgebung. Früher habe ich es gehasst, fotografiert zu werden, sobald irgendwo eine Kamera aufgetaucht ist, habe ich mir die Hände vor mein Gesicht gehalten, um ja kein Bild zuzulassen.

Gestern war das anders, meine beste Freundin hat einige wirklich schöne Bilder von mir gemacht und als ich das erste davon gesehen habe, war ich ein wenig fassungslos. „Ich wusste nicht, dass ich so hübsch aussehen kann“ war die erste Reaktion.

Ich frage mich, ob ich damit alleine bin, aber ich bezweifle es um ehrlich zu sein. Es gibt so viele Menschen wie mich da draußen, die nicht das Gefühl haben, „hübsch“ zu sein. Klar, innere Werte zählen, Äußerlichkeiten sind unwichtig, aber was wichtig ist, ist Selbstbewusstsein. Und wenn man sich nicht wohl in seiner Haut fühlt, dann leidet man darunter. Wenn man das ganze aber anspricht, dann wird einem meist sofort vorgeworfen, dass man nur Komplimente bekommen möchte. Es gibt sicher solche Menschen, doch die meisten sagen nur ihre ehrliche Meinung.

Ich war immer der Meinung, dass ich einfach durchschnittlich war, nicht besonders hübsch, nicht besonders hässlich, einfach normal. In den letzten Jahren habe ich mehr oder weniger sanft gelernt, dass jeder auf seine eigene Art schön ist, und dass man lernen sollte, sich selbst zu lieben. Deswegen auch das Experiment mit den Fotos, das so viel besser gelaufen ist, als erwartet. Ich bin sehr froh, dass ich das geschafft habe, und es fühlt sich toll an, diese Überwindung aufgebracht zu haben. Denn ich weiß jetzt, dass es meistens genug ist, man selbst zu sein.

dieses Loch

Jedes Mal, wenn du mit mir
redest, hoffe ich aller meiner Erfahrungen zum trotz,
dass du mich
endlich
einmal verstehst.

Wahrscheinlich sollte ich, die
Hoffnung
endlich einmal
aufgeben,
aber ich will diese
Vorstellung von
dir und mir nicht
aufgeben, denn dann
würde ich mir eingestehen müssen,
dass wir
zerbrochen
sind.

Wenn ich mit dir
streite, mit dir
rede, dir zuhöre,
dann bin ich da für dich
und du irgendwo
anders und alles
was ich bekomme ist dieses
leere Gefühl, wo sich eigentlich Zuneigung
befinden sollte und alles was ich kann ist
festhalten, denn sonst
wird dieses Loch vielleicht immer
größer,
wächst unaufhaltsam,
bis nichts
mehr von mir über ist
als diese Leere die
zu meiner
Existenz geworden ist.

 

irgendwann Berlin

hier, da wo ich wohne,
in diesem Kaff mit 18.000 Seelen,
das eigentlich zu groß ist, um es Kaff zu nennen,
hier wohne ich und träume.

ich träume von Dingen die niemals passiern,
von Dingen die niemals gewesen
und von Dingen, die hoffentlich irgendwann einmal doch geschehn.
so wie
hoffentlich, irgendwann, Berlin.

hier, kennt fast jeder jeden,
vielleicht auch nicht, aber eigentlich schon,
getratscht wird über alles, was anders ist
Clubs gibt es nicht, nur den einen und der
ist auch schon fast wieder zu weit weg,
die Tage verbringen wir in Cafés oder der FuZo,
die eigentlich niemand so nennt und trotzdem so heißt,
eigentlich sind alle hier zufrieden,
wollen nicht weg und ich
bin einsam in meinen Gedanken und
in dieser Stadt, in der niemand je allein ist,
weil doch alle, immer, überall da sind.

Berlin, Berlin klingt nach Heimat,
nach zu-hause-sein, nach
Gleichgesinnten, nach ich-sein
nach Ankommen, nach Leben, nach Spontanität,
nach Freiheit,
und doch bin ich nicht dort,
sondern hier und alles was mir bleibt
ist zu träumen und zu sagen
„hoffentlich, irgendwann, Berlin“

 

Eine Stimme, die gehört werden will

Bis vor nicht allzu langer Zeit habe ich den Menschen aus meinem Leben nicht oft erzählt, dass ich einen Blog habe. Wenn Freunde Bescheid wussten, wussten sie auch, dass sie es nicht anderen Leuten weitererzählen sollten. Nicht unbedingt, weil ich mich dafür geschämt habe, eigentlich eher, weil ich keine Lust auf deren Reaktionen hatte. Und weil ich mich nicht mit ihnen auseinandersetzen wollte.

Als ich vor circa zwei Wochen mit einer Freundin über meinen Blog geredet habe, saß jemand anderes neben uns und fragte dann voller Verachtung: „Du hast einen Blog? Warum das denn?!“ Die Frage hat mich, um ehrlich zu sein, ein wenig aus dem Konzept gebracht.

Meine spontane Antwort war: „Warum nicht?“ aber auch das, war nicht unbedingt die richtige. Ich habe meinen Blog, weil ich möchte, dass meine Stimme gehört wird. Als ich begonnen habe zu bloggen, habe ich über Umweltschutz, Vegetarismus und Politik gebloggt, weil ich (zugegeben ziemlich naiv) der Meinung war, ich könnte die Welt verändern. Mittlerweile sehe ich das Ganze ein wenig realistischer, bin nun doch schon ein paar Jahre älter und möchte eigentlich nur noch Aufmerksamkeit auf (für mich) wichtige Themen lenken und meine Meinung dazu teilen. Warum das? Weil ich hoffe, damit einen Einfluss auf Menschen zu haben, und sei er auch noch so klein.

Gleichzeitig habe ich begonnen selbst zu schreiben, meist eher kürzere Texte aber fast alle dienen für mich dem Zweck, Dinge zu verarbeiten, die in meinem Leben und in den Leben der Menschen um mich herum geschehen. Ich bin sehr viel besser darin, über negative Dinge zu schreiben, deswegen kann man hier auch keine fröhlichen Texte lesen (zumindest bis jetzt), weil ich andere Menschen damit berühren möchte und es für mich eine Möglichkeit ist, mich auszudrücken.

Gleichzeitig versuche ich hier so ehrlich wie möglich zu sein, mein Leben nicht zu beschönigen aber auch nicht unnötig schlecht zu reden. Ich möchte wie eine normale Person rüberkommen, jemand, mit dem man sich identifizieren kann. Durch meine Bisexualität habe ich auch eine eher selten vertretene Perspektive, und ich möchte, dass andere Kinder wie ich, so einen Blog finden können, und sich mit dem Menschen darauf identifizieren können. Ich möchte, dass sie wissen, dass nicht immer alles gut ist, dass es Hochs und Tiefs gibt, aber dass man auf jeden Fall durchkommt. Und dass es okay ist, sich Hilfe zu holen, dass man nicht perfekt sein muss und dass Stärke nicht dadurch definiert wird, dass man immer stark ist, sondern dadurch, dass man auch nach Rückschlägen wieder aufsteht und weitermacht.

Ich möchte, dass meine Stimme gehört wird und deswegen werde ich auch so lange ich es zeitlich irgendwie auf die Reihe bekomme weiter bloggen.
Schreiben ist eine meiner größten Leidenschaften und deswegen freue ich mich auch unglaublich über das überwältigende positive Feedback, das ich in der letzten Woche bekommen habe. Vielen vielen Dank, ihr seid die Besten und ich freue mich über jeden einzelnen Kommentar, jede Nachricht auf Instagram und auf WhatsApp. Ihr seid die Motivation, die ich manchmal brauche, um nicht einfach aufzugeben. Danke.